
Blick in Richtung der Innenstadt von Maastricht
Auf diese Tour hatte ich mich schon lange gefreut: Der Süden von Maastricht an der Grenze zu Belgien ist ein beliebtes Wanderrevier. Hier gibt es schöne Natur, viel Wasser und historische, von Menschen geschaffene Stätten zu durchqueren.
Doch bevor wir das Schloss erreichen, laufen wir im Wald an einer großen Bunkeranlage vorbei. Dort war ab 1954 das geheime militärische Hauptquartier der NATO in Kriegszeiten untergebracht. Die Anlage, von der man nur das früher gut bewachte Eingangsportal wahrnimmt, befand sich bis zu 50 Meter unter dem Erdboden.
Sie verfügte über mehr als 400 Büroräume, die durch Stollengänge mit einer Länge von fast acht Kilometern verbunden waren. Eine autonome Strom- und Wasserversorgung machte die Anlage unabhängig von der Außenwelt und ein leichter Überdruck sollte das Eindringen chemisch, biologisch oder atomar verseuchter Luft verhindern.
Die Anlage ist längst still gelegt und nach einer mehrjährigen, aufwändigen Asbest-Sanierung zu besonderen Anlässen auch für den Publikumsverkehr geöffnet. Aber heute leider nicht …

Niederländisch-Belgischer-Grenzstein bei Canne
Nach einer kurzen Waldpassage am Jesuitenberg erreichen wir das hübsche Schloss Neercanne, das sich unmittelbar an der Grenze zu Belgien befindet. Durch die Weinberge rund um das Schloss steigen wir in das Dorf Canne hinab und überqueren dabei die Grenze zu Belgien.
Am Rande des Dorfes laufen wir durch Felder in südlicher Richtung bis zum Albertkanal, einer künstlichen Wasserstraße, die die Maas mit Antwerpen verbindet. Auf der gegenüberliegenden Kanalseite sehen wir in einer steilen Felswand einen Bunker, der zur riesigen Festungsanlage Eben-Emael gehört.
Diese kam am Anfang des Zweiten Weltkriegs zu unfreiwilliger Berühmtheit, als deutsche Fallschirmjäger die als uneinnehmbare geltende Festung in einem Handstreich innerhalb von nur 13 Minuten besetzten.
Kurz darauf beginnt der abenteuerliche Teil dieser Wanderung. Vom Kanal geht es über vom Regen ausgespülte Trampelpfade extrem steil den Berg hinauf. Zwischen den Bäumen sind dicke Taue gespannt, an denen man sich festhalten und hochziehen kann. Anders ist der Aufstieg kaum zu schaffen, wenn man nicht gerade über „Vierradantrieb“ verfügt, so wie meine Bergziege Doxi.
Oben angekommen laufen wir über schmale Trampelpfade in Richtung der Südspitze des Sint-Pietersberg. Direkt neben uns geht es fast vierzig Meter senkrecht hinunter zum Kanal. Da muss man schon ein wenig schwindelfrei sein. Dafür eröffnet sich uns an der Südspitze des Bergs ein grandioser Blick in die Landschaft. Unter uns zweigt der Albertkanal an einer großen Schleuse von der Maas ab. Damit haben wir den südlichsten Punkt der Wanderung erreicht.

Der Berg wird komplett von Höhlen und Stollen durchzogen
Nun geht es über Feldflächen auf dem Hochplateau zurück in Richtung Maastricht. Der Berg ist von zahlreichen Stollen und Höhlen mit einer Länge von mehr als 200 Kilometer durchzogen, nachdem hier über fast acht Jahrhunderte intensiv Mergel abgebaut wurde.
Während der deutschen Besetzung zwischen 1940 und 1944 dienten die unterirdischen Gänge und Höhlen auch als Lazarett, Bunker und Versteck von Kunstschätzen, darunter auch Rembrandts berühmtes Werk „Die Nachtwache“.
Oberhalb der Maas laufen wir über enge, kurvenreiche Pfade durch den Wald und blicken schließlich hinab auf die riesige Mergel-Grube und das Zementwerk an der Maas.
Wir umrunden das Werk und laufen an der berühmten „Teufelshöhle“ vorbei. Dahinter erreichen wir das Ufer das Maas, passieren das riesige Betonwerk und kommen schließlich zum Sonnenberg mit dem historischen Landgut Sint-Pieter. Nach viereinhalb Stunden und 18 Wanderkilometern erreichen wir kurz darauf wieder unseren Startpunkt am Fort Sint-Pieter. Die Wanderung ist als „Abenteuertour südlich von Maastricht“ deklariert und diesem Namen hat sie alle Ehre gemacht: Richtig anstrengend, aber auch wirklich faszinierend.
- Wanderkarte unserer Tour
- Fort Sint Pietersberg
- Mein erster richtig fetter Pilz in diesem Herbst
- Wir überqueren die Jeker
- Die Bunkeranlage des Nato-Hauptquartiers von 1954
- Frontalansicht auf das Schloss Neercanne aus dem Garten
- Am Albertkanal. Blick zur Kanalbrücke in Kanne
- Fort am Albertkanal
- Aufstieg vom Kanal auf die die Hochfläche. Es ist viel steiler, als es aussieht.
- Blick auf die Abzweigung des Albertakanals von der Maas
- Landwirtschaftlich genutzte Fläche auf dem Hochplateau zwischen Albertkanal und Maas
- Wieder ein Grenzstein
- Wasserlandschaft an der Maas
- Urige Pfade auf dem Berg oberhalb der Maas
- Blick in den Tagebau am Sint-Pietersberg (Foto Kleon3 | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)
- Die „Duiwelsgrott“ (Teufelsgrotte). Hier wird Mergel abgebaut.
- See unterhalb der Sint-Pietersberg am Zementwerk
- ENCI, das große Zementwerk an der Maas, gehört heute zum Konzern HeidelbergCement
- Riesige Sand-Schiebeanlage
- Skulptur am Zementwerk
- Das Gehöft Sint-Pietersberg
- Hier hat ein Sturm im Maisfeld gewütet






















